Die Näh-Welt

Da ich letztens einen Beitrag geschrieben habe was sein darf und was nicht sein darf in den FB-Gruppen. Wie Kleidung aussehen soll, wie man sie präsentieren soll und was ja nicht gemacht werden soll.
Da dachte ich, ich knöpfe da mal an und schreibe noch mein persönlichen Senf dazu.

Nicht zu das was anderen Nähen, jeder soll das machen was er mag, was er schön findet, was passt zu der der es trägt und der der es näht. Schon gar nicht möchte ich Farben, Schnitte, Designer, Kombinationen oder einzelne Personen kritisieren.

Ich möchte lediglich schreiben was ich vom Gesamtbild der heutige Nähwelt halte.
Die meisten die mich schon besser kennen das eh schon lange 😉

Ich finde es schade, dass sich heutzutage niemand sich mehr an Webware traut, Reißverschlüsse, Knopflöcher und Co. sind die größten Feinde.
Der Großteil der Näherinnen näht nur Jersey oder andere elastische Stoffe.

Bei den Schnitten gibt es auch „nur“ E-Books und am liebsten nur mehr Freebooks. Sehr wenige kaufen sich noch Schnitte von Burda und Butterick oder so, das einzige was man so ab und an mal hört ist Ottobre oder ganz selten Farbenmix.

Auch die Stoffe sind sehr einheitlich. „Alle“ kämpfen um das eine EP oder Panel von Marke XY. Da werden ganze Stunden nur investiert darin diese eine EP zu ergattern. Sehr viele der Fotos in den FB-Gruppen bestehen danach aus diese gleichen Stoffen.
Was ich wiederum sehr komisch finde, dass für diese EP’s teilweise Schweinegeld gezahlt wird, doch die Schnitte müssen gratis sein. Da ist 16 Euro aufwärts pro Meter kein Thema aber 3 Euro für ein E-Book schon 😦

Dabei wird doch immer gesagt, ich nähe weil ich dann einzigartige und individuelle Kleidung für mich und oder für meine Kinder habe. Derweil gibt es „immer“ die gleichen Stoffe und immer die gleichen Schnitte. Eigentlich ist da dann doch gar kein großer Unterschied mehr zu Kleidung von H&M, Primark, C&A usw.

Auch das „richtige“ Nähen ist so eine Sache. Anpassen, probieren, heften und wieder auftrennen, wieder anprobieren, dass ein Kleidungstück wirklich passt gibt es da leider nicht mehr. OK, die Arbeit des Auftrennens ist nicht das Beste und würde ich auch lieber nicht machen, aber wenn dann das Kleidungstück wirklich passt ist das doch ein so schönes Gefühl.
Viel besser als schnell in 15 Minuten ein Shirt auf dem Ovi zusammennähen und wenn es dann dort ein bisschen zwickt oder da ein bisschen weit ist, ist es egal weil das eh bei Jersey nicht so auffällt, der Schnitt halt einfach so war oder man es einfach lockerer oder enger trägt.

Ich bin kein Gegner von Jersey, von „easy-Schnitten“, von E-Books oder von Ovi-Arbeit. Ich habe alles, ich benutze auch alles.
Aber der GENUSS -muss man fast sagen- ein Kleidungstück zu nähen wo man sich Gedanken macht, wo man viel Zeit investiert, dass man ändert und passend macht (was man doch eigentlich bei jeder Schnitt machen soll, da ein Schnitt NIE alle Personen passt, auch nicht ein Schnitt für Jersey), da hat man doch danach viel mehr Stolz.

Auch wenn man andere Stoff-Kombis machen wie „gewöhnlich“ oder andere Stoffe benutzt als das Gros bringt mir das persönlich viel mehr vergnügen. Mal andere Stoffe ausprobieren ist toll. Mal Spitze, mal Samt, mal Seide, mal Cord, mal Jeans, mal Strick, mal Leinen, mal Leder, mal Satin. Es gibt so viele Möglichkeiten und das Hobby macht dadurch ja noch mehr Spaß.

Ich muss nicht alle Kleidung im Schrank selbstgemacht haben, die Basics kaufe ich ehrlich gesagt lieber und investiere meine Zeit in richtige Einzelstücke und speziellere Sachen. Dabei nähe ich für mich jetzt auch nur „normale“ Kleidung, wie Röcke, Hosen, Blusen und keine Kostüme, keine Sondersachen wie Braut- oder Ballkleider oder so.

Beschrieben wird auch oft mit den Wörtern „schnell zusammengetackert“ oder „nur so von der Maschine gehüpft“. Das ist doch schade, unser Hobby geht doch genau darum, dass man Zeit an der Maschine verbringt, dass man Zeit investiert um das Kleidungstück zu nähen das (nahezu) perfekt ist und wo man mit Stolz auch sagen kann, „da habe ich 20 Stunden für gebraucht“. Ich möchte auch die Zeit die ich habe lieber an der Nähmaschine sitzen als fotografieren und bearbeiten usw. Und dabei mag ich sogar das Fotografieren eigentlich sehr gerne.

Genau diese Zeit wo man den Schnitt ändert, sich überlegt wie und was man daraus macht, dass es auf sein Körper passt. Dann shoppen gehen und sich die Stoffe durch die Finger gleiten lassen und Farben direkt im Geschäft aufeinander legen. Danach überlegt man, welche Fäden, welche Knöpfe, wie viele und wie große, Reißverschluss sichtbar oder nicht, wie lange soll sie sein, brauche ich Bänder, Paspel oder Schleifen. Soll das Kleidungstück gefüttert sein oder nicht, gesäumt mit Saumband, braucht es Taschen und möchte ich diese eher versteckt oder auffällig. Hat das Kleidungstück einen Kragen, einen Bund, Manchetten usw. dann brauche ich noch Vlieseline, welches brauche ich?Welche Stoffe möchte ich benutzen, nicht nur die Farbe oder das Muster, aber gerade der Stoff macht das Kleidungstück zu was es ist. Das alles gehört zum Prozess dazu. Das zuschneiden, dann das Nähen und wieder überlegen wie mache ich das, dass alles passt und das es schön aussieht und ordentlich genäht ist. AUCH VON INNEN! Vom ersten Moment wo man ein Schnitt sieht oder ein Stoff sieht und ein Idee bekommt, bis zum fertigen Kleidungstück, dieser ganze Prozess ist für mich mein Hobby, das schönste Hobby!

Auch aus eine „einfache“ Pumphose kann man viel mehr machen, wie wieder aus Jersey oder Sweat. Probiere doch mal Jeans oder Babycord. Statt aufgesetzte Taschen mal richtige Taschen mit Hüftpasse nähen. Und dann evtl. noch statt das so beliebte Bündchen ein Bund annähen mit Gummizug. Ist fast genau so einfach, sieht aber so viel anders und individueller aus.

Viele trauen sich gar nicht an Webware, viele wissen gar nicht was sie damit anstellen sollen. Doch eigentlich ist es gar nicht schwerer. Meiner Meinung nach sogar viel einfacher als elastische Stoffe. Traut euch, näh doch einfach mal ein Reißverschluss ein. Und wer sich nicht über Knopflöcher traut im ersten Webware-Kleidungstück kann doch auch immer noch Snaps benutzen für den Anfang.

Ich wünsche mir so sehr, dass viel mehr Leute einsehen wie schön Webware ist. Ich kann euch noch 1000 verschiedene Sachen schreiben, wieso gerade Webware so toll ist.

Ich sag es so oft, ich liebe Webware!

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